Hier sind die Dinge in Bewegung geraten!
Zum Beispiel: Neue Wohnbauten und Erhalt der alten Bauerngehöfte
Vorwort
Als Kind* und Jugendlichem war mir Tremsdorf sehr fern. Philippsthal und Saarmund grenzten an Bergholz-Rehbrücke, ebenso Wilhelmshorst, wo ein Schulfreund wohnte. Da ich seit 1943 in Potsdam aufs Gymnasium ging, war auch hier die Orientierung mehr städtisch. Nach dem Krieg hatte dann Berlin, die Viersektoren-stadt, eine stärkere Anziehungskraft als etwa ein verträumtes Dorf.
Das hat sich nun grundlegend geändert. Seit der Wende fahren wir so oft wie möglich über Kleinmachnow, Stahnsdorf, Güterfelde auf die Dörfer, die des Amtes Rehbrücke, aber auch be-nachbarte wie Ahrensdorf, Siethen, Gröben, Fresdorf, Stücken etc.. Wir (meine Frau und ich) wandern am Waldrand und besonders gern über Wege, die in die Feldflur und auf die Wiesen und Weiden führen. Wir genießen die Möglichkeit, in ca. 30 Autominuten mitten in der Natur zu sein, freuen uns am Wachsen und Reifen der Getreidefelder, am Blühen der Sonnenblumen, an den Rinderherden und Pferden auf den Koppeln.
Dieses lange Vorwort nur, um zu zeigen, dass Tremsdorf ebenfalls ein liebgewordener Ausflugsort für uns geworden ist, zunächst aber nur privat.
*(Der Autor hat von seinem 3. Lebensjahr an zwischen 1936 und 1951 in der damaligen Reh-brücker Mühlenstraße, heute Andersenweg, gewohnt. Nach vielen Stationen in Süd-, Nord- und Mitteldeutschland lebt er seit 1967 in Berlin-Zehlendorf.)
Fortsetzung der Vorstellungsreihe Amtsgemeinden
Nach Philippsthal (DN-B 9/97 S. 6) steht nun Tremsdorf auf dem Redaktionsprogramm. Ein-geleitet haben wir das Ortsporträt mit der im Novemberheft wiederholten Schilderung eines Sommerausfluges von Petra Hoffmann (DN-B11/97 S. ); heute geht es um die aktuelle Ent-wicklung des Ortes und eine Vorstellung der ehrenamtlichen Bürgermeisterin Doris Stoof:
„Sie finden sie in dem Haus gegenüber der Feuerwehr!“, hieß es, als ich fragte. Vor dem Zaun, auch Mitte Oktober noch, ein breiter Streifen leuchtender Studentenblumen (Tagetes). Probleme gab es beim Fotografieren: Die schlanke Enddreißigerin liebt es grundsätzlich nicht, macht dann aber doch gute Miene zum optischen Spiel.
Berufliche Turbulenzen nach 1989
Zur Zeit hilft Doris Stoof im evangelischen Saarmunder Kindergarten aus; leider ist es nur eine befristete Stelle, da sie keine entsprechende Ausbildung hat. Beruflich ist die Ingenieurin für Maschinenbau durch die Wende neben vielen anderen Tremsdorfern auch betroffen. Sie hatte in Ludwigsfelde gearbeitet und wurde, wie viele Frauen vor allem aus der Leitungsebene, entlassen. Nach einer Umschulung war sie in einem Michendorfer Autohaus tätig, später im Hort in Saarmund. Letzteres wurde dann unmöglich, als das Ministerium die Ausbildung als Erzieher oder Grundschullehrer als Voraussetzung forderte. Die zurückliegenden zwei Jahre war eine Berufstätigkeit unmöglich: die Alleinerziehende musste ihre schwerkranke Mutter pflegen.
Bodenständiges Dorfleben
Doris Stoof lebt jetzt mit ihrem Vater und der fast siebzehnjährigen Tochter auf dem kleinen Gehöft, einer Art Teilselbstversorger/Nebenerwerbslandwirtschaft mit Pferd, Kuh, Kalb, einigen Schweinen sowie Hund und Katze. Die Tiere werden vom Vater und der Tochter versorgt, die in Michendorf das Gymnasium besucht und in Potsdam aktiv Leichtathletik betreibt. „Ich bin froh, hier groß geworden zu sein“, sagt Doris Stoof, „ich merke es auch an meiner Tochter, die ausgeglichener ist als Gleichaltrige aus der Stadt.“
Der heutige Gasthof war früher Schule
Eingeschult wurde die Bürgermeisterin 1964 noch in Tremsdorf. Seinerzeit war die heutige Gaststätte Zweiraumschule und Lehrerwohnung. Später wurde der typisch märkische Ziegelbau Kindergarten, Jugendclubraum und Gemeindeverwaltung. Nach der dritten Klasse war dann Schluss; die Tremsdorfer Kinder mussten nach Saarmund, später für die 9. und 10. Klasse nach Rehbrücke. Das bedeutete, bei jedem Wetter 9 Kilometer per Rad zur Schule und zurück. Ohne eigene Schule zu sein, eint Tremsdorf übrigens mit den anderen 4 kleinen Amtsgemeinden; allerdings ist sie die einzige, die keine eigene Kirche hat.
Erste Frau unter sechs Ehrenamtlichen
Bis Ende 1993 (Amtsbildung) war Manfred Gattung hauptamtlicher Bürgermeister des Dorfes, inzwischen ist er im Amt Rehbrücke in der Personalabteilung tätig. Doris Stoof ließ sich seinerzeit wählen, weil sie sich vorgestellt hatte, als Ehrenamtliche doch mehr bewegen zu können. Jetzt verzweifelt sie bisweilen an der Überbürokratisierung und den vielen Eingrenzungen und Bindungen. „Alles ist so schrecklich starr und unflexibel, insbesondere, wenn es um Geld geht. Wie kann es sein“, ereifert sich Frau Stoof, …daß es als Veruntreuung gilt, wenn ich, um einen möglichen Schaden vom Ort abzuwenden, Mittel ‘zweckentfremdet' ausgebe?“ Ein weiteres Reizwort: Großgemeinden. „Jetzt sind wenigstens noch die Ehrenamtlichen als Mittler vor Ort; je mehr Zentralisierung, desto bürgerfremder wird doch die Verwaltung“, meint Doris Stoof erregt. Schon jetzt könne z. B. der Ordnungsamtsleiter Friedrich Schulz von Rehbrücke aus die zunehmenden Probleme wilder Müllablagerungen nicht verfolgen, geschweige denn eindämmen. „Der Nuthe-Bote“ wird auf diese wie auch einige andere Detailfragen noch bei späterer Gelegenheit zurückkommen.
Zähe Bemühungen, endlich erfolgreich!
Bei voller grundsätzlicher Bejahung von Natur- und Landschaftsschutz würde auch hier aus der Sicht der Bürgermeisterin etwas mehr Flexibilität dringend not tun. Viele Wünsche sind noch offen. Einen Sieg kann sie inzwischen doch verbuchen: Nach jahrelangem ergebnislosen Kampf gegen Behörden wurde im Oktober und November 97 der Bebauungsplan „Fresdorfer Weg“ ausgelegt , der eine Streifenbebauung an der bereits einseitig bebauten Straße ermöglichen soll. Der Beschluss wurde in der letzten Gemeindevertreterversammlung gefasst. Geplant sind 10 Wohneinheiten (2 Doppel- und 6 Einzelhäuser), die es von Restitutionsansprüchen betroffenen Bürgern ermöglichen sollen, zu bezahlbarem Eigentum zu kommen.
Der Erfolg ist Doris Stoof nicht in den Schoß gefallen; sie hat die große Politik beobachtet, um davon zu lernen. Erst ein durch Trick erreichtes Gespräch mit den Landesministern Meyer und Platzek hat den Durchbruch gebracht, für Doris Stoof aber auch die Bestätigung, dass Hartnäckigkeit sich im politischen Leben auszahlt: Wer nicht kämpft, hat schon verloren!
Es geht um den Erhalt des Dorfes!
Ebenfalls eine Initiative der agilen Bürgermeisterin ist, dass Tremsdorf jetzt an dem Programm zur Dorferneuerung teilnehmen wird. Es ginge um den dringend notwendigen Erhalt der alten Drei- und Vierseitenhöfe, die in den zurückliegenden 40 Jahren sehr gelitten haben. Nachdem es für die Dorferneuerung staatliche Fördermittel gibt, andererseits der einzelne bei den hohen Baukosten überfordert wäre, böte das Programm eine gute Chance, die dörfliche Bausubstanz zu erhalten. Auch hierüber werden wir demnächst noch gesondert berichten.
Drehpunkt und Träger gesellschaftlichen Lebens ...
... ist Tremsdorfs Freiwillige Feuerwehr. Sie umfasst z. Z. rund 38 Mitglieder einschließlich der Jugendgruppe, die vor allem von Mädchen getragen wird. Die Frauengruppe der Wehr, zu der auch Doris Stoof gehört, wurde in diesem Jahr Kreismeister, allerdings dieses Mal ohne die Bürgermeisterin, die verhindert war. Langjähriger Wehrleiter war Richard Kaiser, den Sie im er-sten Beitrag über Tremsdorf in Heft 11, S. 6 bereits kennengelernt haben. Abgesehen von der ei-gentlichen Bestimmung, Brände zu löschen oder bei anderen Ereignissen einzugreifen, ist die FFW Tremsdorf immer zur Stelle, wenn in der Gemeinde Hilfe benötigt wird. Daneben organisiert sie die zwei gesellschaftlichen Höhepunkte des Jahres: im Mai/Juni, zur Zeit der Pokalwett-kämpfe, ein Sommerfest und Ende September das Erntedank- und Herbstfest.
Ausflug in die Natur bietet sich an!
Von Tremsdorf aus kann man in alle Himmelsrichtungen herrliche Spaziergänge machen. Wiesen, Weiden, große Brachflächen und Felder, eingerahmt von Wald, Nuthe, Nieplitz und Königsgraben, wechseln einander ab. Jeder Naturfreund ist willkommen und wird gebeten, nach Picknick oder Rast alle Verpackungen und Reste wieder mitzunehmen. „Ist doch selbstverständlich “, werden Sie sagen. Leider, nein.
Rolf-D. Bathe
Quelle: 26 Der Nuthe-Bote 12/97
Abbildung 1: Gepflegt und ganz gut erhalten, ein teil des Tremsdorfer Ortskerns |
Abbildung 3: Doris Stoof, ehrenamtliche Bürgermeisterin, vor ihrem Haus mit Blumenrabatte. | Abbildung 4: Ehemalige Hofstelle Willi Stoof, von der neuen Besitzerin Frau Traeger saniert. | Abbildung 2: Sommer 97: Endlich legt die Telekom neue Anschlüsse! |
Abbildung 5: "Kastanienernte" neben und auf der verkehrsberuhigten Dorfstraße gegenüber vom ehemaligen Gut Fotos: Bathe (7) |
Abbildung 6: Das Gelände am fresdorfer Weg (rechts), das bebaut werden soll, mit Blick aufs Dorf | Abbildung 7: Markanter Hauseingang der Familie Kaiser |